Berlin/Zürich, 09. Juli 2010 - WM-Aus: Für Deutschland ist das Sommermärchen 2010 ausgeträumt. Vielleicht hätte Müller im verzweifelten Spiel gegen Spanien die entscheidende Wende gebracht. Doch er war gesperrt. Im Spiel gegen Argentinien zeigte der Schiedsrichter wegen eines vermeintlichen Handspiels die gelbe Karte. Eine von vielen umstrittenen Entscheidungen in dieser WM. Zu den klaren Fehlentscheidungen zählt auch das „Tor von Bloemfontein“ im Spiel gegen England. Für den Unparteiischen Jorge Larrionda reichte ein guter Meter jenseits der Torlinie nicht aus, um das Tor zu geben.
Wann also reagiert die FIFA und führt entsprechende elektronische Hilfsmittel ein? „Wir leben im 21. Jahrhundert und verzichten auf jegliche Technik. Das hilft den Schiedsrichtern nicht und ist auch der Öffentlichkeit schwer zu vermitteln. Der Fußball verliert deshalb bei den Fans an Glaubwürdigkeit“, sagte der ehemalige FIFA-Referee Markus Merk dem Sport-Informations-Dienst (SID) und sprach sich unmissverständlich für die Einführung des „Elektronischen Auges“ aus.
Ein solches Auge, ein Ball mit eingebautem elektronischen Chip, war bislang für die FIFA keine Alternative. In einem Bericht des Spiegel sagte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke vor einigen Wochen: „Die Frage war, sollen wir Technik im Fußball zulassen, und die Antwort war ganz klar: Nein“. Nach den krassen Fehlentscheidungen reagierte FIFA-Präsident Joseph Blatter und entschuldigte sich für die Fehlentscheidungen: „Ich habe Ihnen gesagt: Es tut mir leid, was geschehen ist. Ich bedauere es, wenn ich die offensichtlichen Fehler der Schiedsrichter sehe. Ich bin betrübt“, so der 74-Jährige, und weiter zum Thema Technik: „Es wäre unsinnig, sich darüber keine Gedanken zu machen. Wir müssen dieses Thema wieder diskutieren“.
Weltweit hat die Industrie hat schon lange erkannt, dass die Funktechnologie RFID logistische Abläufe beschleunigt. „Dafür werden so genannte Transponder-Chips auf den Rückseiten von Etiketten angebracht. Darauf gespeicherte, produktbezogene Daten können von RFID-Gates über Funkt beim Umladen von Waren ausgelesen werden. Be- und Entladevorgänge zum Beispiel werden somit wesentlich beschleunigt“, erklärt Dieter Conzelmann, Director Industry Solutions Market beim Technologiehersteller Bizerba. Warum also nicht auch beim Fußball Funktechnologie einsetzen?
Mit der Goal
Line Technology (GLT) hat das Unternehmen Cairos
technologies bereits 2009 ein System getestet, das der
RFID-Technologie sehr ähnlich ist. Es teilt mit Hilfe
eines Sensors im Ball dem Schiedsrichter in
Sekundenschnelle mit, ob der Ball hinter der Linie war
oder nicht. „Die Tests waren ein voller Erfolg. Das
System kann innerhalb eines Tages in jedem Stadion der
Welt installiert werden“, so Oliver Braun von Cairos
technologies gegenüber RFID-im-Blick. An der Begrenzung
des Strafraums und hinter dem Tor sind dafür unter dem
Rasen Kabel verlegt. Diese erzeugen, wenn Strom
durchgeleitet wird, sehr schwache Magnetfelder. Im Ball
ist ein rund 20 Gramm schwerer Sensor enthalten. Er misst
die Magnetfelder, sobald er sich in der Nähe befindet.
Wird der Ball in den Strafraum geschossen, sendet der Chip
über Funk, ob der Ball die Torlinie komplett
überschritten hat oder nicht. Der Schiedsrichter wird
dann per Funk über seine Armbanduhr informiert.
Es bleibt spannend, welche Entwicklungen sich hier in
Reaktion auf die verpatzten Schiedsrichter-Entscheidungen
der WM ergeben werden. 54, 74, 90, 2014...
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