Zingst /
Schwerin - Der Martha-Müller-Grählert-Preis geht in
diesem Jahr an den Journalisten und Verleger Leif
Tennemann. Die Auszeichnung wird bereits seit 11 Jahren
beim traditionellen Shantychortreffen zu Ehren von Martha
Müller-Grählert im Ostseebad Zingst verliehen.
„Leif Tennemann ist mittlerweile eine der wichtigen
Adressen für nord- und niederdeutsche Kultur.“ heißt
es u.a. in der Begründung der Jury.
Der in Mecklenburg-Vorpommern auch als Moderator und
Telefonspaßvogel von NDR1 RadioMV bekannte Tennemann
veröffentlicht seit Jahren im eigenen Verlag TENNEMANN
media auch viele plattdeutsche Bücher und CDs von und mit
Künstlern aus Deutschlands Nordosten.
So erscheint in diesen Tagen die CD „Musik ut uns Land
– neue Songs up Platt“ mit den Preisträgern des
gleichnamigen NDR – Wettbewerbs.
Neben den hauseigenen Produkten vertreibt der TENNEMANN
versand unter www.tennemann.com aber auch zunehmend
Literatur und Tonträger aus ganz Norddeutschland u.a. mit
den Schwerpunkten Niederdeutsch und maritimes Liedgut.
Für alle diese Aktivitäten erhält Leif Tennemann den
Preis, der an die Dichterin des Ostseewellen-Liedes,
Martha-Müller-Grählert, erinnert sowie besondere
Verdienste um die Erhaltung maritimen Liedgutes ehren
soll. Verliehen wird die Auszeichnung vom Seebad Zingst
und der Kur - und Touristik GmbH. Bisherige Preisträger
waren z.B. der Entertainer Horst Köbbert und die
Niederdeutsch-Professorin Renate Herrmann-Winter.
Martha Müller-Grählert:
Martha Müller-Grählert wurde als Johanna Daatz geboren. Nachdem ihr Vater, der Müllermeister Friedrich Grählert aus Zingst, 1879 ihre ledige Mutter geheiratet hatte, ließ er auch den Vornamen der Tochter ändern und somit hieß Johanna ab 1879 Martha Grählert. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Zingst in der Lindenstraße 7. Eine Gedenktafel erinnert heute daran.
Danach besuchte sie das Franzburger Lehrerseminar und arbeitete anschließend als Hauslehrerin. Sie begann schon früh, Verse zu schreiben. 1898 zog sie nach Berlin. Sie begann als Redakteurin des „Deutschen Familienblattes“ zu arbeiten und heiratete 1904 Dr. Max Müller, einen Agrarwissenschaftler. Im fremden Berlin schrieb sie ihr Gedicht von den Ostseewellen in vorpommerschem Platt, mit dem Titel „Mine Heimat“, welches 1907 im Band „Schelmenstücke“ veröffentlicht wurde.
1911 ging sie mit ihrem Mann, der eine Gastprofessur in Sapporo angenommen hatte, nach Japan. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrten sie nach langer, beschwerlicher Reise 1914 nach Deutschland zurück. Hier zerbrach die Ehe und Martha Müller-Grählert geriet daraufhin in wirtschaftliche Not. Sie versuchte, mit Vortragsreisen und Leseabenden ihre Einkünfte aufzubessern. 1920 erschien „Mudder Möllersch' Reis na Berlin“. 1924 zog sie wieder nach Zingst und versuchte auch hier, mit Gedichten in Zeitungen und Vortragsabenden ein Auskommen zu finden, was dauerhaft nicht realisierbar war.
Inzwischen hatte ihr Gedicht „Mine Heimat“ eine große Bekanntheit erlangt: Ein wandernder Glasergeselle aus Flensburg trug den Zeitungsausschnitt aus den damals bekannten „Meggendorfer Blättern“ mit dem Gedicht bis nach Zürich und so gelangte es zum damaligen Dirigenten des dortigen Arbeiter-Männergesangvereins, Simon Krannig. Dieser vertonte das Gedicht und das Lied verbreitete sich schnell.
Martha Müller-Grählert lebte in den folgenden Jahren in wirtschaftlicher Not. Es gelang ihr trotz eines langwierigen, kräftezehrenden Prozesses nicht, ihre Urheberrechte für das Ostseewellenlied und seine Umdichtungen geltend zu machen und Tantiemen zu bekommen.
1925 schrieb sie den Band I von „Sünnenkringel“ mit einer leicht veränderten Fassung von „Mine Heimat“, Band II folgte 1931.
1936 wurden ihr und dem Komponisten Krannig endlich die Urheberrechte zugestanden, für die Dichterin zu spät, um auch materiell davon zu profitieren. Ehe die Regelungen des Urteils rechtskräftig wurden, starb Martha Müller-Grählert am 19. November 1939 fast erblindet, arm und einsam im Altersheim Franzburg bei Stralsund. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof in Zingst mit der Inschrift: „Hier is mine Heimat hier bün ick to Hus“.
Leif Tennemann:
Leif Tennemann (* 3. September
1960 in Sassnitz auf Rügen) ist ein deutscher Journalist,
Verleger, Hörfunkmoderator und Comedian im Bundesland
Mecklenburg-Vorpommern.
Aufgewachsen in Sassnitz auf Rügen, schmiss er zunächst
das Abitur an der Erweiterten Oberschule „Ernst Moritz
Arndt“ in Bergen, indem er während der
Mathematikprüfung eine Kurzgeschichte verfasste, am Ende
keine der Aufgaben gelöst hatte und leere Zettel abgab.
Danach erlernte er den Beruf eines Baufacharbeiters in
Greifswald, holte sein Abitur auf der Abendschule nach und
nahm vor seinem Journalistikstudium unterschiedliche
Arbeiten an; so reiste er auch zeitweise in einem
Wanderzirkus mit. Seit 1985 arbeitete er als Redakteur
für die Radio-DDR-Ferienwelle in Rostock, war nach der
Wende 1989 Redaktionsleiter Aktuelle Politik und wurde
1992 ab Sendestart Redakteur bei NDR 1 Radio MV in
Schwerin. Seit 1993 arbeitet Leif Tennemann als freier
Journalist, Moderator, Comedian und Verleger. Er
moderierte 15 Jahre u.a. den Sonnabendvormittag (erst
„Leichte Brise“, dann das Beste von „Vorsicht
Leif“) auf NDR 1 Radio MV. In dieser Zeit entstand auch
seine Comedy-Figur Hausmeister Erwin, die in
Mecklenburg-Vorpommern überaus populär ist. Heute
arbeitet Leif Tennemann für NDR 1 Radio MV (Spaßtelefon
Vorsicht Leif) sowie andere deutsche Medien (Hörfunk,
Presse) und tourt auch als Comedyfigur Hausmeister Erwin
vor allem durch Deutschlands Norden. Seit 1999 ist er
Geschäftsführer der von ihm gegründeten Firma TENNEMANN
Media in Schwerin, die hauptsächlich als Musik- sowie
Buchverlag arbeitet und einen Spezialversand für
entsprechende Produkte aus Mecklenburg-Vorpommern und
Norddeutschland betreibt. Ein wichtiger Schwerpunkt der
Verlagstätigkeit sind dabei plattdeutsche
Veröffentlichungen.



