Die Tophundeschule informiert: die Entwicklungsphasen des Hundes
Die Trainer der Tophundeschule geben Ihnen im Tipp des Monats Januar einige grundlegende Informationen zum Thema „ Der Hund und seine Entwicklungsphasen “
Immer wieder werden die Trainer der Tophundeschule nach den verschiedenen Entwicklungsphasen gefragt: Allseits bekannt sind die Prägungsphase und die Sozialisierungsphase. Vielfach kommen in der Erziehung und in der Ausbildung aber die Rangordnungsphase und die „beliebte“ Pubertätsphase zu kurz. Dabei ist gerade auch die Pubertätsphase für die Entwicklung eines Hundes sehr wichtig, da sie oft den weiteren Werdegang und das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund entscheidend prägt.
Der Ernst des Lebens beginnt früh
Die ersten Wochen und Monate sind mit
die wichtigsten im Leben Ihres Hundes. Hier werden die
Weichen für das spätere Verhalten im Umgang mit
Artgenossen, Menschen und der Umwelt gestellt. Was Ihr
Hund in dieser Zeit an sozialem Lernen versäumt, können
Sie später nicht mehr so ganz einfach nachholen. Und auch
die Erziehung geht nie wieder so spielerisch und mühelos
wie jetzt. Läuft in diesem Alter etwas schief, merkt man
es dem Hund oft ein Leben lang an. Viele Hundebesitzer
können davon ein Lied singen …
Es ist also völlig falsch zu glauben, der junge Hund
müsse erst eine unbeschwerte Kindheit durchleben, bevor
der Ernst des Lebens beginnt. Bringen Sie ihn ruhig schon
als Welpen mit vielfältigen Reizen in Berührung, gönnen
Sie ihm schon früh möglichst viele Erfahrungen und
Kontakte. Auch mit der Erziehung Ihres Vierbeiners und der
Einordnung ins Familienrudel sollten Sie zeitig beginnen.
Prägungsphase ( 3. - 7. Woche) und Sozialisierungsphase (8. - 12. Woche)
Selbstverständlich sind beide Phasen wichtig für den
Hund. Die Trainer der Tophundeschule werden aber – um
dem Thema gerecht zu werden – in einem der nächsten
„Tipps des Monats“ auf die Thematik zurück kommen.
Diesen Monat beschäftigen sich die Trainer der
Tophundeschule mit den darauf folgenden Phasen: der
Rangordnungsphase und der
Pubertät.
Rangordnungsphase (13. - 16. Lebenswoche)
Der Hund nimmt seine Stellung in der
Rangordnung in der Familie ein. Der Mensch wird auf seine
Führungsqualitäten geprüft. In dieser Phase ist es
wichtig, dass der Welpe seine Grenzen kennt und vom
Menschen klare Regeln erhält. In dieser Phase steht der
Gebisswechsel des jungen Hundes an. Der Hund ist nun
bestrebt, sich seinen Platz im Rudel zu suchen und zu
festigen. Es ist wichtig, dass wir ihm klar machen, dass
die Stellung des Hundes die unterste im „Familienrudel"
ist.
Mit kleinen Aufgaben und Übungen, auch jenen, die zur
Unterordnung gehören, kann der Mensch seine Stellung als
Rudelführer festigen, wobei er durch Selbstsicherheit und
nicht durch Gewalt seine Stellung unterstreichen sollte.
Es ist eine kritische Phase, die sehr leicht zu künftigen
Erziehungsschwierigkeiten führen kann, wenn diese
Vorrangstellung als umsichtiger und überlegener Chef vom
sehr scharf beobachtenden Hund nicht anerkannt werden
kann. Er ist jetzt sehr geneigt, die eigene Ranghöhe zu
verbessern, wenn das Leitbild versagt. Das beginnt damit,
dass er sich weniger um die Wünsche seines Herrn
kümmert, bereits gelernte Kommandos geflissentlich
überhört – so fordert er uns heraus. Wir werden dann
gern böse und machen alles noch verkehrter – das
steigert sich bis zu dem Tag, an dem uns der inzwischen
erwachsene Hund direkt droht oder uns ganz raffiniert
überrundet, indem er sich zu einem Haustyrannen
entwickelt. Wenn der Herr als Chef versagt, muss es der
Hund werden, denn eine Familie ohne Anführer oder
Haushaltungsvorstand darf es – zumindest in den Augen
des Hundes – nicht geben!
Was beim Menschen das Schulalter ist, entspricht bei Hunden dem Alter zwischen dem fünften Monat und dem Beginn des zweiten Lebensjahrs. In dieser Zeit ist die Lernfähigkeit sehr groß. Damit ist die Zeit gekommen, jeden Tag verstärkt Gehorsamsübungen durchzuführen.
Der Sozialisierungsprozess im Zusammenleben mit Menschen und Artgenossen geht in dieser Phase weiter, wobei die sozialen Verhaltensweisen differenzierter werden. Der junge Hund hat idealerweise den Chef in der Familie ausgemacht – man merkt deutlich, wem er sich am besten unterordnet und gehorcht. Wobei bitte nicht übersehen werden darf: Unterordnen muss er sich gegenüber allen. Auch außerhalb der Familie zeigt sich, dass der Hund unterschiedlich reagiert. Einigen Menschen begegnet er mit Zutrauen, anderen gegenüber ist er reserviert und unsicher. Das ist ein normales Zeichen für das Erwachsenwerden. Auch im Umgang mit Artgenossen können Sie verschiedene Verhaltensmuster beobachten. Bekannte Spielkameraden werden schnell zum Toben aufgefordert, fremde Hunde dagegen erst einmal unterwürfig begrüßt.
Pubertätsphase (7. - 10. Monat)
im Alter von 7 bis 9 Monaten werden die meisten Hunde auf einmal ungewohnt renitent, sie erscheinen dumm, dreist und flegelhaft, manchmal aber auch eher dünnhäutig und reizbar. Viele Hunde machen nun eine zweite Angstphase durch und es ist sehr hilfreich, wenn der Hund bis zu diesem Zeitpunkt eine sichere Bindung und ein starkes Vertrauen zu seinem Hundeführer aufbauen konnte. Belastungen sollte man während der Pubertät möglichst vermeiden (z.B. keine neuen Übungen, keine gravierenden Veränderungen im Alltag). Stattdessen sollte man mit seinem Hund in dieser Umbruchzeit wieder ähnlich vorsichtig wie mit einem Welpen arbeiten und ihm Rückhalt geben.
Weder Fisch noch Fleisch (Großbaustelle
Gehirn)
Ein Hund in der Pubertät ist beileibe keine Schönheit.
Genau wie beim Menschen verändert sich auch beim
Hunde-„Backfisch" das Aussehen: Er sieht irgendwie
unmöglich aus, so als würden seine Einzelteile nicht
recht zusammenpassen. Er läuft wie auf Eiern, wirkt
hochbeinig und schlaksig. Erst im Alter von 12 - 14
Monaten hat der Hund dann seine endgültige Widerristhöhe
erreicht, wird danach aber noch kräftiger und
substanzvoller.
Etwas Führung braucht der Hund
Wüst, stürmisch und das Gehör auf Durchzug – mit
übersprudelnder Lebenslust scheint unser Energiebündel
auf einmal nur noch Unsinn im Sinn zu haben. Zum Lernen
hat der Hund nun überhaupt keine Lust. Statt des
Gedächtnisses scheint der Lümmel nur noch Watte im Kopf
zu haben. Die bereits bekannten Kommandos werden von
unserem „lebensfrohen" Hund jetzt oft geflissentlich
überhört und man bekommt den Eindruck, die ganze
bisherige Erziehung habe nichts genutzt. Es ist zum
Verzweifeln. Und dann gibt es Momente im Leben eines
Hundebesitzers, da wäre es schön, wenn der Hund die
Ohrstöpsel mal rausnehmen würde. Er benimmt sich wie
Monate zuvor, nur dass er inzwischen groß und stark
geworden ist. Der Trotzkopf testet seine Grenzen oft
gnadenlos aus. Besonders pubertierende selbstbewusste
Rüden versuchen, die Rangordnung auf den Kopf zu stellen
und protestieren gegen Anordnungen „von oben". Die
jungen Rebellen brauchen vom Boss viel Geduld, eine Prise
Nachsicht und eine Riesenportion Konsequenz. Doch keine
Sorge – auch die Hundepubertät geht vorüber. Hunde
haben zum Glück nur Flegelmonate, keine Flegeljahre! Mal
ehrlich – waren wir nicht auch mal so in unserer
Pubertät? Kleinere, unwesentliche Dinge sollte man in
dieser Zeit ganz einfach übersehen, alles andere ganz
bestimmt und ohne Aufregung unterbinden – konsequent und
unnachgiebig. Lassen Sie bei Ihrem Schnösel nicht das
Gefühl aufkommen, er könne Ihre Befehle nur dann
respektieren, wenn es ihm gerade passt. „Er ist halt
so“ ist nur eine Bestätigung für menschliche
Schwäche. Viele Hundehalter hoffen immer noch, dass sich
das rüpelige Verhalten irgendwann nach der Pubertät
wieder gibt. Und so hoffen sie und hoffen sie und warten
und warten. Leider wird das Verhalten der Hunde in der
Regel aber immer ausgeprägter und gefestigter. Machen Sie
Ihrem Rebellen deshalb unbedingt klar, dass es Ihnen ernst
ist und dämmen Sie den „Aufstand“ sofort mit
Konsequenz ein. Bleiben Sie ruhig dabei, aber geben Sie
nicht nach.
Aufstrebender dynamischer Jungrüde
sucht ....
Es ist nicht ungewöhnlich, dass heranwachsende Rüden und
Hündinnen bei Einsetzen der Pubertät aufreiten, um sich
einen höheren Rang in der Mensch/Hund-Meute zu
verschaffen. Meist legen sie dieses Verhalten ab, sobald
sich der Hormonhaushalt eingespielt hat – aber nur, wenn
Sie die Position des Rudelführers eingenommen haben. Es
ist wichtig, dass Sie Ihren Hitzkopf daran erinnern, dass
Sie immer noch Anführer sind und auch bleiben wollen. Der
Jungspund erwartet das Leitbild des erfahrenen, psychisch
überlegenen Anführers. Es ist also eine kritische Phase,
die sehr leicht zu künftigen Erziehungsschwierigkeiten
führt, wenn diese Vorrangstellung als umsichtiger und
überlegener Meuteführer vom scharf beobachtenden Hund
nicht anerkannt werden kann. Ein dominanter „Kopfhund“
ist jetzt sehr geneigt, die eigene Rangfolge zu verbessern
bzw. umzukehren. Wenn das Leitbild versagt, wird er zum
raffinierten Haustyrannen. In der Natur würde der junge
Wolf nun bald sein Rudel verlassen. Aber unser Hund ist
nach dieser kritischen Zeit dankbar, dass er doch noch bei
uns bleiben darf.
In der Tat sind die meisten Hunde mit elf bis zwölf
Monaten ausgewachsen. Bei größeren Hunden kann das aber
auch erst mit achtzehn Monaten der Fall sein.
Der erwachsene Hund
Bei einem zweijährigen oder
älteren Hund haben Sie es dann schon mit einer
ausgereiften Hundepersönlichkeit zu tun. Sowohl
erwünschte als auch unerwünschte Verhaltensweisen haben
sich festgesetzt. Dennoch kann das Gewohnheitstier Hund
auch jetzt noch Kommandos und Gehorsam lernen – nur eben
nicht mehr ganz so leicht.
Voraussetzung ist eine enge Bindung zum Menschen, eine
klare Rudelführung. Außerdem sollte der Hundehalter
ausreichend Zeit haben, sich täglich mit dem Tier zu
beschäftigen.
Natürlich ist es einfacher, einen jungen Hund neue Dinge
zu lehren als einem älteren etwa vorhandene Unarten
abzugewöhnen. Wenn Sie aber den Wunsch haben, einen
älteren Hund zum Beispiel aus dem Tierheim zu
übernehmen, sollten Sie sich davon nicht abschrecken
lassen. ( siehe Tipp des Monats Februar 2009 der
Tophundeschule = Hunde aus dem Tierheim ) Mit ein wenig
Hundeverstand lassen sich viele Probleme lösen. Sie
müssen dann nur besonders geduldig und konsequent sein.
Beispiel Trennungsangst: Sie ist bei Hunden aus dem
Tierheim äußerst verbreitet. Durch eine vertrauensvolle
Beziehung und gezielte Gewöhnung an immer längere
Trennungsmomente ist Trennungsangst aber auch zu
lindern.
Nicht resignieren
Grundsätzlich gilt: Wenn Sie mit den Verhaltensweisen eines erwachsenen Hundes unzufrieden sind, sollten Sie nicht resignieren. Wie der Mensch lernt auch der Hund in jungem Alter besser, bleibt aber als Erwachsener lernfähig. Die Lernfähigkeit ist dabei die eine Sache. Die andere ist es, wie Ihr Hund lernt.
Die Trainer der Tophundeschule wünschen Ihnen und Ihrem Hund weiterhin viel Spaß und ein frohes und gesundes neues Jahr!
Ihr Team von
Schönfelder DogCoaching
Die mobilen Hundetrainer
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